Zur Geschichte der Feuerwehr Rödingen:


Auszug aus: "Zur Geschichte der Feuerwehr Rödingen", Karl Lessenich 1998

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Im Jahre 1902 sollte auf Drängen des Landrates in der Gemeinde Rödingen eine Pflichtfeuerwehr eingerichtet werden. Mit Datum vom 14.Februar 1902 lehnt der Gemeinderat die Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr aus dem Grunde ab,"... weil dieselbe auf dem glatten Lande einen praktischen Wert nicht hat, und es nach den in dieser Hinsicht gemachten Erfahrungen genügt, wenn zur Leitung und Bedienung der Spritzen erfahrene und selbständige Leute gegen entsprechende Vergütung eingestellt werden". Erst am 8.August 1902 wurde eine Pflichtfeuerwehr mit einem entsprechenden Ortsstatuts eingerichtet. Zum Dienst in der Pflichtfeuerwehr ist jeder männliche Einwohner vom vollendeten 18. bis vollendeten 50. Lebensjahre verpflichtet.

Jedes Mitglied muß mindestens 5 Jahre eine ihm zugeteilte Führungsstelle übernehmen.


    
Das  Wasser aus dem Rohr

Als im Jahre 1912 das Verbandswasserwerk Mersch-Rödingen in Betrieb genommen wurde, verbesserte sich die Löschwasserversorgung im Ort erheblich. Es gab nun alle 100 Meter einen Hydranten, aus dem man Wasser entnehmen konnte. In Güsten wurde ein Turm errichtet, 40 m hoch, mit einem 100 m³ fassenden Wasserbehälter. Er lieferte den nötigen Wasserdruck.
Die alten Feuerspritzen waren nun nicht mehr nötig. Im neuen Wassernetz war genügend Wasser mit ausreichendem Druck vorhanden. Zur Brandbekämpfung wurde jetzt das Wasser mittels eines "Standrohres" aus dem Hydranten entnommen. Schläuche, Standrohr, Leiter, Seile und Haken waren nun auf einem speziellen Löschkarren untergebracht.


  
Die Freiwillige Feuerwehr

Als Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr können wir 1923 annehmen.

Die Freiwillige Feuerwehr wurde gegründet, weil die zweimal jährlich stattfindende Übungen wohl nicht den gewünschten Erfolg hatten. Die durch Verpflichtung zum Branddienst gezwungenen Bürger machten die Übungen nur widerwillig und lustlos mit. Durch den 1. Weltkrieg waren viele Männer nicht mehr bereit auf  Kommando zu exerzieren und zu löschen. Im Ganzen klappte der Brandschutz mehr schlecht als recht.

Im Minartzbericht von 1925 wird unter anderem angegeben:

Die Freiwillige Feuerwehr  zählt 32 aktive Mitglieder, Brandmeister ist Schwarz Wilhelm,

Abteilungführer Becker Jakob, stellv. Brandmeister,  Schnocks Wilhelm, Rath Kaspar.


Im Minartzbericht von 1927 wird folgendes aufgelistet:

Die Freiwillige Feuerwehr zählt 32 aktive Mitglieder,

Brandmeister: Schwarz Wilhelm, Abteilungsführer: Becker Jakob,

Stellv.Brandmeister: Schnocks Wilhelm, Schriftführer: Wilhelm Schmitz,

Kassierer: Peter Vaaßen.


Von 1923 an wurde regelmäßig geübt, im Sommer des Sonntagmorgens früh um sechs Uhr. Beim Alarmieren fuhren die Hornisten mit dem Fahrrad durch den Ort und bliesen das Brandsignal. Aus dieser Zeit gibt es einige Fotos: Ein Foto zeigt die Feuerwehrleute aus Rödingen in Uniformen eines Feuerwehrtambourcorps mit Pauke, Trommeln, Flöten und dem Hornisten. Ein anderes Bild zeigt eine Übung mit Hakenleiter an einem Bauernhaus. Die Namen der Feuerwehrleute sind nur zum Teil bekannt.
 

Bild einer Feuerwehrübung

Das Feuerwehrtambourcorps

Am 31. Januar 1926 veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr einen Ballabend mit Verlosung. Um Mitternacht feierte die Wehr mit der Bevölkerung die Befreiung von der französisch-- belgischen Besatzung. Nach der ergreifenden und mitreißenden Rede des Bürgermeisters wurde mit dem Trommler und Pfeifen-Chor der Feuerwehr durch den Ort gezogen.


Nach 1930 gab es eine Freiwillige Feuerwehr für die Orte Rödingen, Höllen, Bettenhoven und Kalrath. Brandmeister war Karl Clemens. Stärke: 27 Mann.

Peter Vaaßen war zu dieser Zeit Amtsbrandmeister. Die Rödinger Feuerwehr wurde immer noch häufig zu Hilfeleistung in die Nachbarorte gerufen. Alarmiert wurde die Feuerwehr mittlerweile über eine Sirene, die sich auf dem Dach der Gaststätte Sons befand.


Von 1935 bis 1945 wurde die Autogarage auf dem Schulhof als Stellplatz für die Feuerspritze und den Löschkarren genutzt.

In den Kriegsjahren hatte man in Rödingen Löschteiche ausgehoben und betoniert. Sie befanden sich in der heutigen Klosterstraße, in der Geraden Eiche und im Klasend. Nach dem Krieg wurden sie als Fundamente für den Bau von Wohnhäuser benutzt.


Durch die Einberufung zum Wehrdienst reduzierten sich die Löschzüge sehr. Später waren nur noch wenige Wehrmänner in den Löschzügen vorhanden.

Der Krieg war auch an Rödingen und den Menschen nicht spurlos vorüber gegangen. Viele Leute hatten genug von Uniformen und vom Marschieren und daher kein Interesse an einem organisierten Feuerwehrdienst. Man hatte andere Probleme als eine neue Feuerwehr aufzubauen. So wurde wieder nach dem "Jeder hilft Jedem" Prinzip gelöscht.



  
Deutscher Feuerwehrdienst

Doch bereits im Jahre 1946 gab es im Landkreis Jülich einen "Deutschen Feuerwehrdienst". Für jeden Monat des Jahres wurde ein Bericht geschrieben: Einen in deutsch für die Kreisverwaltung und einen in englisch für die Besatzungsbehörde. Es gab acht Ämter mit zusammen 767 Feuerwehrleuten im Kreis Jülich. Die Besatzungsbehörde hatte verfügt, daß alle Ämter die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren mit Angaben über die Tätigkeit in der Deutschen Wehrmacht an die Kreisverwaltung melden mussten. Ehemalige Soldaten, die mehr als den normalen Soldatenrang in der Wehrmacht hatten, mussten aus der Feuerwehr ausscheiden oder durften nicht mitmachen. Für das Amt Titz liegen aber keine entsprechende Meldungen vor.


  
Der Aufschwung

Unter Leitung von Gerhard Ellinghoven gab es in Rödingen wieder eine Freiwillige Feuerwehr: Stärke 16 Mann. Sie war zuständig für Rödingen, Höllen, Bettenhoven und bis zum Jahr 1964 auch für Kalrath.
1949 wurde die Genehmigung für die Errichtung eines Feuerwehrübungsturmes erteilt. Die Kosten betrugen 201,50 Mark. Im Juli 1949  wird das neue Gerätehaus in der Hohe Straße gebaut mit einer zusätzlichen Wohnung für den Gerätewart: Kosten 17.600 DM. 50% wurden durch Zuschüsse gedeckt. Der 50%tige Zuschuß kam nur zur Auszahlung, wenn ein Feuerwehrmann die Wohnung im Gerätehaus erhält, der die Geräte zu pflegen hat.

Im März 1950 wird das Gerätehaus fertig gestellt. Das Richtfest fand am Samstag, dem 11.3. 1950, im Lokale Wtw. Adam Schnitzler an der Kirche statt. Hierfür wurden 60 DM vom Gemeinderat für Essen und Trinken bewilligt.


Feuerwehrhaus mit Leichenwagen

Ab November 1954 wurde der kommunale Leichenwagen auf dem kleineren Stellplatz im neuen Gerätehaus für einige Zeit untergebracht. Später wurde dort für lange Zeit der Bagger des Bauhofes abgestellt.

Das Gerätehaus, indem wir noch bis wenigen Jahren einquartiert waren.



Nachdem Brandmeister Brinke aus der Feuerwehr ausgeschieden war, wurde im August 1955 H.J.Kaumanns zum neuen Brandmeister gewählt. Hubert Esser wurde sein Stellvertreter. Später übernahm dann Franz Dobbelstein die Führung der Rödingener Feuerwehr.


    
Von der Feuerwehr zur Löschgruppe

Bei der kommunalen Neuordnung 1971 blieben alle Löschgruppen in ihren Orten bestehen. Die Rödinger Feuerwehr heißt ab nun "Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Titz, Löschgruppe Rödingen".

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